Drei KI-Chatbots – von der Entwicklung bis zur Einstellung

Ver­ste­hen statt lösen · Eine klei­ne Rei­he in drei Tei­len · Teil 3

In den ers­ten bei­den Tei­len habe ich beschrie­ben, was einen guten Gesprächs­part­ner aus­macht und war­um die meis­ten KI-Model­le dies nicht ein­lö­sen. Hier nun der Bericht mei­ner eige­nen Lösung für die­se Herausforderung.

Drei Gesprächspartner, die nicht gefallen wollten

Eine Wei­le lang habe ich an drei digi­ta­len Gesprächs­part­nern gear­bei­tet. Kei­ne Rat­ge­ber, kei­ne Kum­mer­käs­ten, die zu allem Ja sagen. Drei ver­schie­de­ne Arten, einem Men­schen zu begeg­nen, der sich selbst bes­ser ver­ste­hen will. Der eine beschrieb ruhig, was inner­lich gera­de geschieht, ohne es zu bewer­ten. Der zwei­te trös­te­te nicht, son­dern stell­te die eine Fra­ge, die nach­hallt. Der drit­te lud dazu ein, etwas aus­zu­pro­bie­ren und zu spü­ren, was es aus­löst. Kei­ner von ihnen gab Rat­schlä­ge. Kei­ner woll­te etwas verkaufen.

Es hat funktioniert

Das Erstaun­li­che war: Es ging auf. Die drei ant­wor­te­ten tat­säch­lich so unter­schied­lich, wie sie gedacht waren. Men­schen, die sie aus­pro­bier­ten, waren über­rascht, wie wenig das mit den glat­ten, gefäl­li­gen Sys­te­men zu tun hat­te, die man sonst kennt. Das Kon­zept trug. Dar­an lag es nicht, dass ich am Ende auf­hö­ren musste.

Warum ich das Projekt eingestellt habe

Denn ich habe das Pro­jekt been­det – voll­stän­dig, vor Kur­zem. Der Grund hat mit dem Inhalt der Gesprä­che nichts zu tun. Er hat mit allem zu tun, was dar­um her­um liegt.

Ein sol­ches Ange­bot ver­langt, dass jemand dafür gera­de­steht, wenn ein Mensch in einer schwie­ri­gen Lage etwas falsch ver­steht oder sich Scha­den zufügt. Die­ses Risi­ko lässt sich absi­chern, aber nur, wenn eine Ver­si­che­rung es über­nimmt. Für ein klei­nes, nicht­kom­mer­zi­el­les Ange­bot im Bereich der psy­chi­schen Gesund­heit, von einer ein­zel­nen Per­son getra­gen, fand sich kei­ne, die das absi­chern woll­te. Das Feld ist auf gro­ße, zer­ti­fi­zier­te Pro­duk­te zuge­schnit­ten, nicht auf das indi­vi­du­el­le Ange­bot eines Ein­zel­nen. Und als ich abwog, was auf dem Spiel stün­de, war die Ant­wort klar. Ich habe das Pro­jekt eingestellt.

Das Gute war das Unmögliche

Was bit­ter ist: Es war genau das Gute an der Sache, das sie unmög­lich mach­te. Weil die drei nichts ver­kauf­ten, tru­gen sie sich nicht. Weil sie kei­ne Ver­spre­chen gaben, pass­ten sie in kein Ras­ter. Die­sel­be Hal­tung, die sie von den gefäl­li­gen Maschi­nen unter­schied, mach­te sie in einer Welt, die auf Pro­duk­te und Umsatz aus­ge­legt ist, hei­mat­los. Das Zurück­hal­ten­de, das sie aus­zeich­ne­te, war aus Sicht die­ser Welt kein Ange­bot, son­dern ein Mangel.

Was bleibt

Ich habe die drei abschal­ten las­sen. Die Inhal­te sind gelöscht, sau­ber und voll­stän­dig. Was bleibt, ist der Gedan­ke – und viel­leicht ist das am Ende der ehr­li­che­re Ort für ihn.

Denn das Fra­gen braucht kei­ne Maschi­ne. Das Offen­hal­ten einer Lücke, das Ver­ste­hen statt des schnel­len Rats, das ruhi­ge Beschrei­ben des­sen, was inner­lich geschieht – nichts davon ist an eine Tech­nik gebun­den. Es lebt in jedem Gespräch, in dem einer dem ande­ren nicht sofort einen Aus­weg zeigt, son­dern aus­hält, dass eine Fra­ge offen bleibt. Was ich in die­se drei Gesprächs­part­ner legen woll­te, kannst du einem Men­schen geben, der dir gegen­über­sitzt. Und das kann dir kei­ne Ver­si­che­rung ver­bie­ten und kein Markt austreiben.

Viel­leicht war das die gan­ze Zeit der eigent­li­che Punkt. Nicht die Maschi­ne. Son­dern die Art, ein­an­der zuzuhören.

Häufige Fragen

Was waren das für Chatbots?

Drei digi­ta­le Gesprächs­part­ner zur Selbst­re­fle­xi­on, jeder mit einem eige­nen Zugang: ruhig beschrei­ben, was inner­lich geschieht; nach dem fra­gen, was nach­hallt; zum Aus­pro­bie­ren ein­la­den. Kei­ner gab Rat­schlä­ge, kei­ner ver­kauf­te etwas.

Warum wurde das Projekt eingestellt?

Nicht wegen des Kon­zepts, das funk­tio­nier­te. Son­dern weil sich das Haf­tungs­ri­si­ko eines sol­chen Ange­bots für einen ein­zel­nen, nicht­kom­mer­zi­el­len Anbie­ter nicht ver­si­chern ließ. Das Feld ist auf gro­ße, zer­ti­fi­zier­te Pro­duk­te ausgelegt.

Gibt es die Chatbots noch?

Nein. Sie wur­den voll­stän­dig abge­schal­tet und die Inhal­te gelöscht. Geblie­ben ist die Hal­tung dahin­ter – und die braucht kei­ne Technik.

Was nehme ich aus dieser Reihe mit?

Dass ein guter Gesprächs­part­ner nicht rät, son­dern fragt und offen­hält. Das kann eine Maschi­ne im Prin­zip, tut es aber sel­ten. Ein Mensch, der zuhört, kann es immer.


Ver­ste­hen statt lösen – die Reihe

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