Ich fühle mich niedergeschlagen – was dabei innerlich passiert

Niedergeschlagenheit

Es gibt Pha­sen, in denen sich alles schwe­rer anfühlt. Gedan­ken krei­sen, die Ener­gie lässt nach, und selbst ein­fa­che Din­ge wir­ken anstren­gend. Oft ent­steht dabei das Gefühl, inner­lich blo­ckiert oder wie abge­schnit­ten zu sein.

„Nie­der­ge­schla­gen“ ist ein Wort, das vie­le Men­schen ver­wen­den, wenn sie die­sen Zustand beschrei­ben. Es wirkt zunächst ein­deu­tig, und doch bleibt oft unklar, was damit eigent­lich gemeint ist.

Denn die­ser Zustand ist sel­ten ein­fach nur „weni­ger Stim­mung“. Meist zeigt sich dar­in ein kom­ple­xe­res inne­res Gesche­hen, das nicht sofort erkenn­bar ist.


Wenn sich innerlich etwas widerspricht

Oft geht Nie­der­ge­schla­gen­heit mit einem Gefühl ein­her, nicht rich­tig vor­an­zu­kom­men. Man denkt viel, kommt aber zu kei­ner kla­ren Rich­tung. Etwas scheint zu blo­ckie­ren, ohne dass genau benannt wer­den kann, was es ist.

In sol­chen Momen­ten wir­ken häu­fig unter­schied­li­che Impul­se gleich­zei­tig. Ein Teil möch­te viel­leicht etwas ver­än­dern, aktiv wer­den oder sich lösen. Ein ande­rer Teil zögert, hält zurück oder rich­tet sich auf Sicher­heit aus.

Die­se gleich­zei­ti­gen Ten­den­zen wider­spre­chen sich nicht unbe­dingt offen, aber sie wir­ken in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen. Das Ergeb­nis ist ein Zustand, der sich wie Still­stand anfühlt, obwohl inner­lich viel geschieht.


Das Gefühl von Stillstand

Wenn sol­che Pro­zes­se nicht klar erkenn­bar sind, ent­steht leicht der Ein­druck, es feh­le an Antrieb oder Klar­heit. Der Zustand wird dann als Defi­zit erlebt: als etwas, das „nicht funktioniert“.

Tat­säch­lich kann das Gefühl, nicht vor­an­zu­kom­men, auch anders ver­stan­den wer­den. Es weist dar­auf hin, dass sich inner­lich noch kei­ne ein­deu­ti­ge Rich­tung durch­ge­setzt hat. Die ver­schie­de­nen Impul­se bestehen gleich­zei­tig fort, ohne dass einer die Ober­hand gewinnt.

Das Erle­ben von Nie­der­ge­schla­gen­heit gehört in die­sem Sin­ne nicht nur zu den Inhal­ten des Den­kens oder Füh­lens, son­dern zu der Art und Wei­se, wie die­se inne­ren Pro­zes­se mit­ein­an­der ver­bun­den sind.


Ein innerer Zusammenhang

Was sich wie ein ein­heit­li­cher Zustand anfühlt, ist oft das Ergeb­nis meh­re­rer gleich­zei­tig wir­ken­der Ten­den­zen. Nie­der­ge­schla­gen­heit kann dabei als Aus­druck eines inne­ren Zusam­men­hangs ver­stan­den wer­den, in dem ver­schie­de­ne Impul­se noch nicht auf­ein­an­der abge­stimmt sind.

Der Ein­druck von Schwe­re oder Still­stand ent­steht dann nicht, weil „nichts pas­siert“, son­dern weil sich unter­schied­li­che Bewe­gun­gen gegen­sei­tig beein­flus­sen, ohne dass eine kla­re Form dar­aus hervorgeht.

In die­sem Licht erscheint der Zustand weni­ger als Stö­rung, son­dern als ein Pro­zess, der sich noch nicht ein­deu­tig orga­ni­siert hat.


Weiterführende Einordnung

Eine genaue­re Beschrei­bung die­ses inne­ren Zusam­men­hangs fin­det sich im Begriff des „Inne­ren Konflikts.

→ Inne­rer Kon­flikt – war­um sich gegen­sätz­li­che Gefüh­le gleich­zei­tig zeigen

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