Der Leviathan – Marx und Sinn
An Gott zu glauben war schon immer untrennbar mit der Frage verbunden: Warum gibt es das Böse auf der Welt. Eine Antwort finden wir in der so genannten Theodizee. Da wird z.B. auf die Tatsache verwiesen, dass wir ja das Gute als solches gar nicht identifizieren könnten, wenn wir sein Gegenteil nicht erfahren würden. Oder unsere Welt wird als ein Vorversuch des Schöpfers gesehen. Nun – dass es das Böse gibt, ist jedenfalls unbestritten. In der Bibel wurde es auch in der Gestalt eines Ungeheuers dargestellt, einem Drachen ähnlich, der unbezwingbar ist. Erst am Ende aller Zeiten wird Gott selbst seinen Widersacher töten; und die Juden glauben daran, dass dieser Leviathan in Gestalt eines gewöhnlichen Fisches aus dem Meer geangelt werden würde. Von wem, ist mir leider nicht bekannt.
Natürlich steht der Leviathan auch als Allegorie für den Satan oder den Teufel. Das Böse wurde ja schon immer ihm zugeschanzt, er ist also sozusagen der Sündenbock schlechthin. Der Teufel hat nun wiederum viel mit der Sünde zu tun. Und da plötzlich wird der Gegenwartsbezug gleich zwei Mal deutlich: unser aller Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, bezeichnet “wilde Spekulationen” als “Sünde”. Er bezieht sich natürlich auf das vergangene Verhalten von Managern und Bankern, die für den Niedergang des weltweiten Finanzsystems verantwortlich gemacht werden. Er hat also den Leviathan offiziell für die Kirche wiederentdeckt und hinter den Mauern unserer Bankgebäude und Investitionshäuser ausgemacht. (weiterlesen…)


