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“Nur Übergewicht” oder “manifeste Essstörung”?

Nur Übergewicht oder manifeste EsstörungBinge Eating Disorder wird oft nicht erkannt

Ein Gastbeitrag von Dr. Anna Goeldel

Warum ist es für viele Menschen unmöglich, Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln und danach zu leben? Sind es nur fehlende Konsequenz und Disziplinlosigkeit? Dass dem nicht immer so ist und sich hinter so manchem Übergewicht eine manifeste Essstörung im Sinne eines Binge Eating Disorder (BED) verbirgt, die einer umfassenden Therapie bedarf, ist den Betroffenen oft nicht bewusst.

Die Folgen von Übergewicht sind längst bekannt. Hausärzte sind täglich damit beschäftigt Diabetes, Hypertonien, Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen, Herzprobleme etc. zu behandeln. Wenn bei übergewichtigen Patienten alle differenzialdiagnostischen Überlegungen wie beispielsweise einige Stoffwechselerkrankungen, die Einnahme von Medikamenten wie Kortison (in höherer Dosierung) oder bestimmte Psychopharmaka, die das Problem erklären könnten, abgeschlossen sind, muss immer wieder über die Risiken informiert werden, um die Betroffenen zum Umdenken und zur Verhaltensänderung zu motivieren. Wie erkennt man, ob sich eine seelische Ursache hinter dem Übergewicht verbirgt?

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Der psychologische Gedanke II: Revolte und Gesundheit

Gegenwärtig findet eine Auseinandersetzung mit den 70er Jahren statt, zu sehen u.a. in einer Sendefolge auf ARTE-Fernsehen. Die 70er Jahre stehen für Jugendrevolte, Studentenprotest, dann Baader-Meinhoff, dem nun beginnendem und später kläglich scheiterndem Terrorismus. Danach kamen Punk und andere Formen des Protests mit „Tod dem Spießer!“. Die Flower-Power-Bewegung der Hippies ging anfangs auf Reisen – im doppelten Sinne nach Außen (Ibiza, Afghanistan, später Goa) und nach Innen (Marihuana und Peyotl, später LSD).

Könnte man sagen, dass es etwas Gemeinsames in all diesen Bewegungen gegeben hat? Natürlich ist es einfach zu konstatieren, dass alle die „Gesellschaft verändern“ wollten. Aber das ist doch eine recht oberflächliche Aussage. Ich glaube doch, dass das Hauptmotiv in erster Linie nicht unbedingt ein politisches, sondern ein jeweils persönliches gewesen ist: der Frust zu Hause bei den Eltern oder in der Schule, der Hass auf den Chef am Arbeitsplatz (Ton, Steine, Scherben!) – aber vor allem: das Bewusstsein, dass „mehr drin“ sein könnte, mehr LEBEN. Alle Beteiligten, ob Hippie oder Terrorist vereinte der Wunsch nach mehr Lebendigkeit und Lebensfreude – auch wenn der letztere dazu vorher die ganze Gesellschaft umkrempeln wollte. Insofern könnte man auch sagen: nach mehr „Gesundheit“. Denn ohne Zweifel ist die Gesundheit eines Menschen in erster Linie abhängig von seinen Umgebungsbedingungen und seiner Lebensweise. Und die Umgebungsbedingungen waren krank-machend. (weiterlesen…)

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