Archiv für die Kategorie „Der psychologische Gedanke“

Der psychologische Gedanke III: Spaltung in der Gesellschaft

Seit der neuesten Umfrage zur Situation am deutschen Arbeitsmarkt taucht wieder vermehrt der Begriff der “Spaltung” in den Medien auf. Hintergrund ist die Entwicklung bei den Reallöhnen: das Realeinkommen des am wenigsten verdienenden Bevölkerungsviertels ist zwischen 1995 und 2006 um ungefähr 14 Prozent gesunken, während sog. “Besserverdienende” im gleichen Zeitraum ein reales Plus bei ihren Löhnen von 3,5 Prozent verbuchen konnten. Die Reallohnverluste reichen dabei bis hinein in die mittleren Einkommensgruppen. Dieses Phänomen nun würde zu einer zunehmenden Spaltung in unserer Gesellschaft führen.

Ich möchte gerne in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass der Begriff der “Spaltung” auch ein psychologischer ist. Damit möchte ich nicht auf die sog. “Persönlichkeitsspaltung” anspielen, die vielleicht noch am ehesten in der Allgemeinheit als bekannt vorauszusetzen ist. Vielmehr wird der Spaltungsbegriff in der Psychologie auch verwendet, um bestimmte Vorgänge zu beschreiben, wie sie bei einem Menschen vorkommen, der ein “narzißtisches Problem” hat, bzw. der unter einer “narzißtischen Persönlichkeitsstörung” leidet. Kurz: Spaltung ist ein Teil des Narzißmus, besser gesagt ein Teil des narzißtischen Prozesses. Damit will ich sagen, dass “Narzißmus” nicht etwas Statisches ist, sondern ein Prozeß in Bewegung, der sich entwickelt und der vor allem Probleme im zwischenmenschlichen Bereich beschreibt. (weiterlesen…)

Der psychologische Gedanke II: Revolte und Gesundheit

Gegenwärtig findet eine Auseinandersetzung mit den 70er Jahren statt, zu sehen u.a. in einer Sendefolge auf ARTE-Fernsehen. Die 70er Jahre stehen für Jugendrevolte, Studentenprotest, dann Baader-Meinhoff, dem nun beginnendem und später kläglich scheiterndem Terrorismus. Danach kamen Punk und andere Formen des Protests mit „Tod dem Spießer!“. Die Flower-Power-Bewegung der Hippies ging anfangs auf Reisen – im doppelten Sinne nach Außen (Ibiza, Afghanistan, später Goa) und nach Innen (Marihuana und Peyotl, später LSD).

Könnte man sagen, dass es etwas Gemeinsames in all diesen Bewegungen gegeben hat? Natürlich ist es einfach zu konstatieren, dass alle die „Gesellschaft verändern“ wollten. Aber das ist doch eine recht oberflächliche Aussage. Ich glaube doch, dass das Hauptmotiv in erster Linie nicht unbedingt ein politisches, sondern ein jeweils persönliches gewesen ist: der Frust zu Hause bei den Eltern oder in der Schule, der Hass auf den Chef am Arbeitsplatz (Ton, Steine, Scherben!) – aber vor allem: das Bewusstsein, dass „mehr drin“ sein könnte, mehr LEBEN. Alle Beteiligten, ob Hippie oder Terrorist vereinte der Wunsch nach mehr Lebendigkeit und Lebensfreude – auch wenn der letztere dazu vorher die ganze Gesellschaft umkrempeln wollte. Insofern könnte man auch sagen: nach mehr „Gesundheit“. Denn ohne Zweifel ist die Gesundheit eines Menschen in erster Linie abhängig von seinen Umgebungsbedingungen und seiner Lebensweise. Und die Umgebungsbedingungen waren krank-machend. (weiterlesen…)

Der psychologische Gedanke: Über das Selbst

Benutzen wir nicht alle ab und an Begriffe wie „Selbstbewusstsein“, „Selbstverwirklichung“ oder einfach nur das Wort „Selbst“, z.B. in der Aufforderung „Bleib du selbst!“. Aber was ist eigentlich mit diesem Begriff gemeint? Was genau ist denn eigentlich dieses „Selbst“, über das wir manchmal nachdenken oder das wir desöfteren und „selbst“-verständlich herbeibemühen?

Oft ist es ja einfacher zunächst einmal zu definieren, was eine Sache NICHT ist. Das „Selbst“ also ist auf keinen Fall eine „Sache“; es ist kein „Ding“, das wir wie in einer Alditasche mit uns herumtragen. Wir besitzen unser „Selbst“ nicht. Der Anfangsgedanke zum Verständnis des „Selbst“ ist also, dass wir es nicht verdinglichen dürfen.

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