Archiv für die Kategorie „Allgemeines“

Zum Tode von Robert Enke

Es ist schon beeindruckend: im Zusammenhang mit dem Tod von Robert Enke wird die ganze Palette der Gefühle hervorgeholt; man hat Mitleid, Mitgefühl, ist erschüttert, zornig und tieftraurig. Auch die Experten melden sich zu Wort und stellen Mutmassungen über die Gründe dieser Tat an. Und gerade jetzt zeigt sich wieder einmal, wie unwissend all diese Menschen sind, wenn es um seelische Krankheiten geht. Das trifft auch auf den Verfasser des Artikels “Robert Enke – Das Spiel und das Leben” im Berliner Tagesspiegel zu. Er schreibt, E. sei in “psychologischer Behandlung” gewesen, er sei bei einem “Psychologen” gewesen. Das ist schlicht falsch. Robert Enke war bei einem Psychiater, bei einem “Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie” in Behandlung. Dieser ist Arzt, nicht Psychologe, hat aber auch einen Facharzttitel für Psychoanalyse.  Es ist aber vollkommen unklar, welche Art von Behandlung E. dort überhaupt erfahren hat. Hat er sich tatsächlich einer Psychoanalyse unterzogen?  Möglicherweise hat er dort eben keine so genannte “Große Psychotherapie” (oder ein so genanntes “Richtlinienverfahren”)  erhalten, wie sie von einem Psychologischen Psychotherapeuten oder auch einem Ärztlichen Psychotherapeuten durchgeführt wird. Möglicherweise ist E. schlicht mit Medikamenten und kurzen Gesprächen behandelt worden. Dies sind so genannte “Psychotherapeutische Gespräche” (absurd, diese so zu nennen!) – und eben KEINE Psychotherapie.  Wir erfahren darüber nichts Konkretes, so dass der Eindruck erweckt wird, Enke sei in psychotherapeutischer Behandlung gewesen.  Was aber BRAUCHT jemand mit einer handfesten Depression?! Er braucht neben einer guten medikamentösen Einstellung eben unbedingt auch eine längerfristig angelegte und von einem gut ausgebildeten Fachmann durchgeführte Psychotherapie in einem Richtlinienverfahren. Hier gibt es dann drei Möglichkeiten: 1. die Verhaltenstherapie 2. die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und 3. die Psychoanalyse. Egal, welches Verfahren, eines DIESER (und NUR DIESER) Verfahren MUSS angewendet werden, um jemandem mit dieser schweren Symptomatik auch wirklich helfen zu können. Ist es denn wirklich so schwer, das einmal richtig und komplett in der Öffentlichkeit klar zu stellen?!

Der letzte Satz drückt meinen Ärger aus und ist der Tatsache geschuldet, dass es in den Medien immer wieder Unachtsamkeit und Desinformation im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen gibt – offenbar ein Spiegel des gesellschaftlichen Zustandes, der jetzt wie durch ein Spotlight beleuchtet wurde; wahrscheinlich aber schon kommende Woche wieder in Vergessenheit geraten wird, wenn man wieder zur Tagesordnung übergegangen ist.

“Nur Übergewicht” oder “manifeste Essstörung”?

Nur Übergewicht oder manifeste EsstörungBinge Eating Disorder wird oft nicht erkannt

Ein Gastbeitrag von Dr. Anna Goeldel

Warum ist es für viele Menschen unmöglich, Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln und danach zu leben? Sind es nur fehlende Konsequenz und Disziplinlosigkeit? Dass dem nicht immer so ist und sich hinter so manchem Übergewicht eine manifeste Essstörung im Sinne eines Binge Eating Disorder (BED) verbirgt, die einer umfassenden Therapie bedarf, ist den Betroffenen oft nicht bewusst.

Die Folgen von Übergewicht sind längst bekannt. Hausärzte sind täglich damit beschäftigt Diabetes, Hypertonien, Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen, Herzprobleme etc. zu behandeln. Wenn bei übergewichtigen Patienten alle differenzialdiagnostischen Überlegungen wie beispielsweise einige Stoffwechselerkrankungen, die Einnahme von Medikamenten wie Kortison (in höherer Dosierung) oder bestimmte Psychopharmaka, die das Problem erklären könnten, abgeschlossen sind, muss immer wieder über die Risiken informiert werden, um die Betroffenen zum Umdenken und zur Verhaltensänderung zu motivieren. Wie erkennt man, ob sich eine seelische Ursache hinter dem Übergewicht verbirgt?

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Der Leviathan – Marx und Sinn

Der Leviathan - William BlakeAn Gott zu glauben war schon immer untrennbar mit der Frage verbunden: Warum gibt es das Böse auf der Welt. Eine Antwort finden wir in der so genannten Theodizee. Da wird z.B. auf die Tatsache verwiesen, dass wir ja das Gute als solches gar nicht identifizieren könnten, wenn wir sein Gegenteil nicht erfahren würden. Oder unsere Welt wird als ein Vorversuch des Schöpfers gesehen. Nun – dass es das Böse gibt, ist jedenfalls unbestritten. In der Bibel wurde es auch in der Gestalt eines Ungeheuers dargestellt, einem Drachen ähnlich, der unbezwingbar ist. Erst am Ende aller Zeiten wird Gott selbst seinen Widersacher töten; und die Juden glauben daran, dass dieser Leviathan in Gestalt eines gewöhnlichen Fisches aus dem Meer geangelt werden würde. Von wem, ist mir leider nicht bekannt.

Natürlich steht der Leviathan auch als Allegorie für den Satan oder den Teufel. Das Böse wurde ja schon immer ihm zugeschanzt, er ist also sozusagen der Sündenbock schlechthin. Der Teufel hat nun wiederum viel mit der Sünde zu tun. Und da plötzlich wird der Gegenwartsbezug gleich zwei Mal deutlich: unser aller Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, bezeichnet “wilde Spekulationen” als “Sünde”. Er bezieht sich natürlich auf das vergangene Verhalten von Managern und Bankern, die für den Niedergang des weltweiten Finanzsystems verantwortlich gemacht werden.  Er hat also den Leviathan offiziell für die Kirche wiederentdeckt und hinter den Mauern unserer Bankgebäude und Investitionshäuser ausgemacht. (weiterlesen…)

Die Scham des Herrn Ackermann

“Ich würde mich schämen, Staatsgeld anzunehmen.” Das sagt Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, vor 150 Managern im Zusammenhang mit dem Rettungsangebot des deutschen Staates für ins Trudeln geratene Banken.

Eine interessante Selbstaussage, die uns sofort zur psychologischen Analyse reizt. Denn Schamgefühle – das habe ich als erstes in meiner Gesatlttherapieausbildung gelernt – sind, neben Schuldgefühlen, die größten Widersacher der Menschheit. Sie quälen unsere Seele und zerstören unser Selbstbewußtsein.
Insofern könnte man also sagen: “Wie schön! Gott sei Dank ist unser oberster Banker nicht von fürchterlichen Schamgefühlen geplagt! Eine gesunde Psyche muß der Mann haben!” Aber irgendwie will sich dann doch solch ein Gefühl der Erleichterung oder gar Bewunderung nicht einstellen. Im Gegenteil: es ist Ärger, der sich breit macht, wenn man diese Äußerung liest.

Herrn Josef Ackermanns Schamgefühle sind ein Schlag ins Gesicht der deutschen Nation. Sie zeigen uns: dieser Mann – in seiner einmaligen Arroganz – scheißt – mit Verlaub – auf unser Geld. Er sagt uns Bürgerinnen und Bürgern: Eurer Steuergeld brauche ich nicht, da bin ich mir zu schade dazu! (weiterlesen…)

Olympia in China, Tibet und der selbstgerechte Westen

Gestern Abend habe ich einen ARD-Bericht über Peking im Fernsehen gesehen. Mich hat bewegt, mit welcher Begeisterung sich offenbar viele Chinesen auf die Olympiade vorbereitet haben: durch Englisch lernen, Benimmkurse, Bürgerinitiativen, Stadtsäuberung u.v.m. Vor allem eine authentische Identifizierung mit den Spielen und eine selbst gewählte Bejahung kamen überzeugend rüber. Ich hatte nicht den Eindruck, dass dies alles nur ein Ergebnis von Gehirnwäsche, Propaganda und Manipulation gewesen sein soll. Diese Begeisterung ist offensichtlich im Zuge der Störungen des Fackellaufes umgeschlagen in Empörung und Enttäuschung: eine Reaktion auf die anhaltende und deutliche Kritik an den Menschenrechtsbedingungen im Land und an der Tibet-Politik der Kommunistischen Partei Chinas.

Nun ist nicht daran zu deuteln, dass es diese Menschenrechtsverletzungen gibt; auch nicht daran, dass Tibet und seine Menschen unterdrückt und politisch verfolgt werden. Die Frage, die hier aufgeworfen wird, ist vielmehr eine nach der Verhältnismäßigkeit. China ist ein Volk mit über einer Milliarde Einwohnern mit einer über 5000-jährigen Kulturgeschichte. Seit Mao hat es unglaubliche Umwälzungen gegeben, die in einer Öffnung gen Westen und einem langsamen Übergang zu einem sozialistischen Kapitalismus gipfelten. Wer sich das heutige Peking anschaut, kann den Stolz der Chinesen auf ihre Errungenschaften und ihre Entwicklung der letzten Jahrzehnte nachvollziehen. Auch wenn es dabei viele Verlierer in der Bevölkerung gegeben hat, so muss die Frage gestellt werden dürfen, ob nicht die Anzahl der Gewinner weitaus höher eingestuft werden kann. (weiterlesen…)

Bsirske und die Gier

Ich habe diese Zeitung abboniert, das wird dem geneigten Leser inzwischen klar geworden sein. Mal wieder im Tagespiegel, Berlin, lese ich heute einen Beitrag zum Fehlverhalten des Verdi-Vorsitzenden Bsirske, der mit Lufthansa angeblich kostenlos Erster Klasse in die Südsee geflogen ist, während seine Schützlinge für höhere Löhne streikten. Zitat: “Der Fall Bsirske bestätigt, was Forscher wissen: Der Mensch ist gefangen im Verlangen. Jeder möchte etwas Besseres sein als sein Nachbar.” (weiterlesen…)

Berliner Tragödie um Vanessa H. und Dorian B.

“Luftikuss007″ und “New Shadow” sind nun schon fast ein Teil der Geschichte. So schnell geht das, dass man vergessen wird. Die erste Reaktion war entsprechend aufgeregt und laut – jetzt ist es still geworden um die Beiden. Der Tagesspiegel schrieb noch am letzten Dienstag dazu: “Mordermittler werden immer wieder mit solchen Taten konfrontiert: Ein Mann hat Angst vor der Trennung, verliert die Kontrolle, tötet die Geliebte – und bringt sich anschließend selber um.” Solch lapidare Feststellungen liest man zuhauf in der Presse; es wird “Entsetzen”, “Unverständnis”, “Schockiertsein”, “Trauer” und Ähnliches öffentlich empfunden. Wie mag es wohl den Angehörigen der Beiden damit gehen?

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Doping und der Freie Wille

Heute früh beim Frühstück fragte mich mein Sohn, was ich “als Psychologe” dazu sagen würde, dass die Radprofis nicht mit dem Doping aufhören würden, OBWOHL sie doch sicher sein könnten, heutzutage mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit bei einer Überprüfung entdeckt zu werden. Das sei doch eigentlich nicht nachvollziehbar, soviel Dummheit auf einmal. In der Tat, habe ich zunächst gedacht, da hat er Recht, wie kann man nur so dusselig sein und so leichtfertig seine Karriere aufs Spiel setzen! Auch und gerade, wenn man doch vielleicht eine reelle Chance hätte, auch ohne das Zeugs siegreich im Ziel anzukommen.

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Das Ärzte-Karussell oder worauf ich beim Arztbesuch achten sollte

Haben Sie oder jemand aus Ihrem Bekanntenkreis schon einmal diese Erfahrung gemacht: Sie haben plötzlich Schmerzen oder leiden an einem unbekannten, neuen Symptom und gehen zum Arzt. Nach mehreren Untersuchungen werden Sie zum Facharzt überwiesen – ohne konkretes Ergebnis. Oder Sie bekommen ein Medikament und es hilft nicht. Dann gehen Sie zu einem anderen Arzt, und das ganze fängt von vorne an. Je mehr Ärzte Sie aufsuchen, desto verzweifelter und unsicherer werden Sie. Vielleicht wird “unterwegs” sogar eine OP durchgeführt – oder ein Krankenhausaufenthalt absolviert. Auch diese Maßnahmen fruchten nicht. Schließlich kommen Sie zu einem Arzt, der Ihnen sagt: Die Seele! Das ist psychisch! Gehen Sie mal zum Psychologen oder zum Nervenarzt!

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