Archiv für November 2009

Zum Tode von Robert Enke

Es ist schon beeindruckend: im Zusammenhang mit dem Tod von Robert Enke wird die ganze Palette der Gefühle hervorgeholt; man hat Mitleid, Mitgefühl, ist erschüttert, zornig und tieftraurig. Auch die Experten melden sich zu Wort und stellen Mutmassungen über die Gründe dieser Tat an. Und gerade jetzt zeigt sich wieder einmal, wie unwissend all diese Menschen sind, wenn es um seelische Krankheiten geht. Das trifft auch auf den Verfasser des Artikels “Robert Enke – Das Spiel und das Leben” im Berliner Tagesspiegel zu. Er schreibt, E. sei in “psychologischer Behandlung” gewesen, er sei bei einem “Psychologen” gewesen. Das ist schlicht falsch. Robert Enke war bei einem Psychiater, bei einem “Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie” in Behandlung. Dieser ist Arzt, nicht Psychologe, hat aber auch einen Facharzttitel für Psychoanalyse.  Es ist aber vollkommen unklar, welche Art von Behandlung E. dort überhaupt erfahren hat. Hat er sich tatsächlich einer Psychoanalyse unterzogen?  Möglicherweise hat er dort eben keine so genannte “Große Psychotherapie” (oder ein so genanntes “Richtlinienverfahren”)  erhalten, wie sie von einem Psychologischen Psychotherapeuten oder auch einem Ärztlichen Psychotherapeuten durchgeführt wird. Möglicherweise ist E. schlicht mit Medikamenten und kurzen Gesprächen behandelt worden. Dies sind so genannte “Psychotherapeutische Gespräche” (absurd, diese so zu nennen!) – und eben KEINE Psychotherapie.  Wir erfahren darüber nichts Konkretes, so dass der Eindruck erweckt wird, Enke sei in psychotherapeutischer Behandlung gewesen.  Was aber BRAUCHT jemand mit einer handfesten Depression?! Er braucht neben einer guten medikamentösen Einstellung eben unbedingt auch eine längerfristig angelegte und von einem gut ausgebildeten Fachmann durchgeführte Psychotherapie in einem Richtlinienverfahren. Hier gibt es dann drei Möglichkeiten: 1. die Verhaltenstherapie 2. die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und 3. die Psychoanalyse. Egal, welches Verfahren, eines DIESER (und NUR DIESER) Verfahren MUSS angewendet werden, um jemandem mit dieser schweren Symptomatik auch wirklich helfen zu können. Ist es denn wirklich so schwer, das einmal richtig und komplett in der Öffentlichkeit klar zu stellen?!

Der letzte Satz drückt meinen Ärger aus und ist der Tatsache geschuldet, dass es in den Medien immer wieder Unachtsamkeit und Desinformation im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen gibt – offenbar ein Spiegel des gesellschaftlichen Zustandes, der jetzt wie durch ein Spotlight beleuchtet wurde; wahrscheinlich aber schon kommende Woche wieder in Vergessenheit geraten wird, wenn man wieder zur Tagesordnung übergegangen ist.

beratung-therapie.de wird beraten durch den Dipl.-Psych. Volker Drewes

Produktion Webseite: bytepark GmbH | Design | IT und Webentwicklung | E-Business-Consulting