Archiv für Oktober 2008

Der Leviathan – Marx und Sinn

Der Leviathan - William BlakeAn Gott zu glauben war schon immer untrennbar mit der Frage verbunden: Warum gibt es das Böse auf der Welt. Eine Antwort finden wir in der so genannten Theodizee. Da wird z.B. auf die Tatsache verwiesen, dass wir ja das Gute als solches gar nicht identifizieren könnten, wenn wir sein Gegenteil nicht erfahren würden. Oder unsere Welt wird als ein Vorversuch des Schöpfers gesehen. Nun – dass es das Böse gibt, ist jedenfalls unbestritten. In der Bibel wurde es auch in der Gestalt eines Ungeheuers dargestellt, einem Drachen ähnlich, der unbezwingbar ist. Erst am Ende aller Zeiten wird Gott selbst seinen Widersacher töten; und die Juden glauben daran, dass dieser Leviathan in Gestalt eines gewöhnlichen Fisches aus dem Meer geangelt werden würde. Von wem, ist mir leider nicht bekannt.

Natürlich steht der Leviathan auch als Allegorie für den Satan oder den Teufel. Das Böse wurde ja schon immer ihm zugeschanzt, er ist also sozusagen der Sündenbock schlechthin. Der Teufel hat nun wiederum viel mit der Sünde zu tun. Und da plötzlich wird der Gegenwartsbezug gleich zwei Mal deutlich: unser aller Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, bezeichnet “wilde Spekulationen” als “Sünde”. Er bezieht sich natürlich auf das vergangene Verhalten von Managern und Bankern, die für den Niedergang des weltweiten Finanzsystems verantwortlich gemacht werden.  Er hat also den Leviathan offiziell für die Kirche wiederentdeckt und hinter den Mauern unserer Bankgebäude und Investitionshäuser ausgemacht. (weiterlesen…)

Die Scham des Herrn Ackermann

“Ich würde mich schämen, Staatsgeld anzunehmen.” Das sagt Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, vor 150 Managern im Zusammenhang mit dem Rettungsangebot des deutschen Staates für ins Trudeln geratene Banken.

Eine interessante Selbstaussage, die uns sofort zur psychologischen Analyse reizt. Denn Schamgefühle – das habe ich als erstes in meiner Gesatlttherapieausbildung gelernt – sind, neben Schuldgefühlen, die größten Widersacher der Menschheit. Sie quälen unsere Seele und zerstören unser Selbstbewußtsein.
Insofern könnte man also sagen: “Wie schön! Gott sei Dank ist unser oberster Banker nicht von fürchterlichen Schamgefühlen geplagt! Eine gesunde Psyche muß der Mann haben!” Aber irgendwie will sich dann doch solch ein Gefühl der Erleichterung oder gar Bewunderung nicht einstellen. Im Gegenteil: es ist Ärger, der sich breit macht, wenn man diese Äußerung liest.

Herrn Josef Ackermanns Schamgefühle sind ein Schlag ins Gesicht der deutschen Nation. Sie zeigen uns: dieser Mann – in seiner einmaligen Arroganz – scheißt – mit Verlaub – auf unser Geld. Er sagt uns Bürgerinnen und Bürgern: Eurer Steuergeld brauche ich nicht, da bin ich mir zu schade dazu! (weiterlesen…)

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