Spieltrieb und Realitätsverlust
Wenn ich mir die heutigen Nachrichten zu Gemüte führe und von den 500 Millionen Euro höre, die irgend jemand bei der KfW “aus Versehen” an die pleite gegangene Bank “Lehman Brothers” überwiesen hat – dann fallen mir spontan ein paar Prinzipien ein, die in der Pädagogischen Psychologie oder Erziehungspsychologie eine Rolle spielen: die Lust am Spielen und die Konsequenz, die auf eine bestimmte Handlung erfolgt oder nicht erfolgt. So wird ja an den Schulen für den Unterricht immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, mehr Spiel und Kreativität – z.B. durch erweiterten Sportunterricht, durch Musizieren und Malen usw. – einzuführen. Denn man hat festgestellt: das bringt mehr Spaß und Motivation, und so lassen sich auch die anderen, drögen Inhalte besser vermitteln und lernen. Das gilt für alle Altersstufen – für die ganz Kleinen an den Grundschulen, aber auch für die Älteren an den Gesamtschulen oder Gymnasien. Die andere Geschichte ist die mit der Konsequenz: wenn ein Lehrer inkonsequentes Verhalten zeigt, dann wird er sofort von den Schülern nicht mehr ernst genommen, und er kann im Grunde genommen einpacken. “Ab nach Hause!” müßte man einem solchen Pädagogen zurecht zurufen. Beruf verfehlt.
Genau diese beiden Mechanismen sind auch bei der KfW mit dafür verantwortlich gewesen, dass die Sache so aus dem Ruder gelaufen ist. Zum einen hat der Spieltrieb voll zugeschlagen. Ist es nicht total geil, am Computer zu sitzen und mal eben 300 Mios zu überweisen?! Und dann gleich noch mal 200 Mios hinterher!? Was muß das für ein Gefühl sein, v.a. wo man doch genau wußte, was die Kirchenglocken gechlagen hatten. Umso größer der Reiz, umso stärker die Erregung! Das kennen wir doch alle noch aus Kindheit und Pubertät, wo wir etwas Verbotenes ausgeheckt haben, um uns dabei so richtig eins ins Fäustchen zu lachen über die blöden Erwachsenen. Bei der KfW hat es bestimmt auch Spaß gemacht, ja, vielleicht war es gar ein Spielchen mit mehreren Mitspielern, und man hat sich hinterher gemeinsam lustig gemacht über die Idioten da draußen, die alle sowieso keine Ahnung haben.
Und dann der zweite Mechanismus, nicht zu vergessen: die fehlende Konsequenz. Was sind denn auch schon 500 Mios? Nur eine Zahl, würde ich erst mal sagen. Die Leute haben wahrscheinlich selbst nicht mal einen Fünfhunderter in ihrem Leben in eigenen Händen gehalten, geschweige denn einen Tausender. Und die Gehälter waren wahrscheinlich auch nicht so wie in der Industrie. Aber egal – 500 Mios konnte man schon mal eben so verschieben. Und kein Schwein hat sich darum gekümmert, kein Hahn hat danach gekräht. Auch jetzt wird man ja gerade mal suspendiert – ich habe schon überlegt, wie oft ich meine Bank nebenan überfallen müßte, um auf diesen Betrag zu kommen, das ist richtig eine Lebensaufgabe und nicht wie bei den Jungs von der KfW, einfach: Click – Tick – und weg! Das Wörtchen “Konsequenz” ist hier also vollkommen unbekannt gewesen. Und auch wenn unser Finanzminister jetzt tönt, das müßte prozedurale (oder so) Konsequenzen haben – na, warten wir mal ab, wieviele Monate auf Bewährung dabei rumkommen.
Insgesamt kann man also mit Fug und Recht behaupten, dass ein Kindergarten gar nichts ist gegen unsere Männer und Frauen von der KfW. Viel Spaß euch weiterhin beim Click-Tick-und weg!-Spiel, Euer Steuerbürger.
Schlagworte: KfW, Konsequenz, Lehman Brothers, Pädagogische Psychologie, Realitätsverlust, Spieltrieb


