Angst essen Seele auf

In den Foren – auch in unserem eigenen von Beratung-Therapie – werden häufig Beiträge veröffentlicht, die etwas mit Angst zu tun haben, ohne dass die Verfasser bzw. Betroffenen sich darüber im Klaren zu sein scheinen. Ich meine: dass sie offenbar nicht wissen, dass es ANGST ist, was sie empfinden bzw. was ihr Symptom bestimmt. Das liegt daran, dass sich Angst oft als etwas Anderes tarnt bzw. versteckt. Es gibt vielfältige Symptome, die als etwas Anderes daher kommen und nicht gleich als Angst identifizierbar sind. Das bekannteste Beispiel sind vielleicht Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken. Wenn also z.B. jemand zu Hause stundenlang die Bücher in seinem Regal sortiert oder kontrolliert, ob die Eingangstür auch verschlossen ist; oder wenn jemand an seinem Körper immer wieder bestimmte schädliche Verrichtungen ausüben muß, wie z.B. Haare reißen oder Fingernägel kauen: dann hat er oder sie einfach Angst.

Oder wenn jemand sich einfach nur “unwohl” fühlt, vielleicht schwindelig und undefinierte Schweißausbrüche bekommt – und nicht “weiß, was los ist” – auch dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er einfach unter einer Angststörung leidet.

Warum ist es so schwer, zu merken, dass man Angst hat? Nun – wir alle denken, dass man nur dann Angst haben kann oder sollte, wenn wir eine konkrete Bedrohung vor uns haben, z.B. einen Einbrecher oder einen scharfen Hund ohne Maulkorb. Natürlich – dann kriegen wir Angst; oder besser: wir können uns eingestehen, dass wir Angst haben, weil “es normal ist”. Die anderen Fälle aber sind für uns nicht normal. Was soll schon Nagelbeißen oder Unwohlsein mit Angst zu tun haben? Das ist nachvollziehbar.

Deswegen ist der erste Schritt bei unerklärlichen Symptomen auch, sich einmal zu fragen: Habe ich nicht vielleicht Angst? Auch, wenn das erst einmal komisch klingen sollte. Aber es könnte einen ja vielleicht auf eine erste Spur bringen!

Natürlich muß man sich dabei auch EINGESTEHEN, das man Angst haben könnte. Dazu ist ein zweiter Schritt notwendig: sich nämlich zu sagen: “Ich darf Angst haben! Angst ist nichts Verwerfliches!”

Und dann – im dritten Schritt – kann man  entweder selbst einmal überlegen, was denn in meinem Leben gerade so angstbesetzt sein könnte – oder aber eine Beratung aufsuchen, wenn man diese Frage nicht selbst beantworten kann oder danach nicht weiterkommt.

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