Archiv für August 2008

Der psychologische Gedanke III: Spaltung in der Gesellschaft

Seit der neuesten Umfrage zur Situation am deutschen Arbeitsmarkt taucht wieder vermehrt der Begriff der “Spaltung” in den Medien auf. Hintergrund ist die Entwicklung bei den Reallöhnen: das Realeinkommen des am wenigsten verdienenden Bevölkerungsviertels ist zwischen 1995 und 2006 um ungefähr 14 Prozent gesunken, während sog. “Besserverdienende” im gleichen Zeitraum ein reales Plus bei ihren Löhnen von 3,5 Prozent verbuchen konnten. Die Reallohnverluste reichen dabei bis hinein in die mittleren Einkommensgruppen. Dieses Phänomen nun würde zu einer zunehmenden Spaltung in unserer Gesellschaft führen.

Ich möchte gerne in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass der Begriff der “Spaltung” auch ein psychologischer ist. Damit möchte ich nicht auf die sog. “Persönlichkeitsspaltung” anspielen, die vielleicht noch am ehesten in der Allgemeinheit als bekannt vorauszusetzen ist. Vielmehr wird der Spaltungsbegriff in der Psychologie auch verwendet, um bestimmte Vorgänge zu beschreiben, wie sie bei einem Menschen vorkommen, der ein “narzißtisches Problem” hat, bzw. der unter einer “narzißtischen Persönlichkeitsstörung” leidet. Kurz: Spaltung ist ein Teil des Narzißmus, besser gesagt ein Teil des narzißtischen Prozesses. Damit will ich sagen, dass “Narzißmus” nicht etwas Statisches ist, sondern ein Prozeß in Bewegung, der sich entwickelt und der vor allem Probleme im zwischenmenschlichen Bereich beschreibt. (weiterlesen…)

Angst essen Seele auf

In den Foren – auch in unserem eigenen von Beratung-Therapie – werden häufig Beiträge veröffentlicht, die etwas mit Angst zu tun haben, ohne dass die Verfasser bzw. Betroffenen sich darüber im Klaren zu sein scheinen. Ich meine: dass sie offenbar nicht wissen, dass es ANGST ist, was sie empfinden bzw. was ihr Symptom bestimmt. Das liegt daran, dass sich Angst oft als etwas Anderes tarnt bzw. versteckt. Es gibt vielfältige Symptome, die als etwas Anderes daher kommen und nicht gleich als Angst identifizierbar sind. Das bekannteste Beispiel sind vielleicht Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken. Wenn also z.B. jemand zu Hause stundenlang die Bücher in seinem Regal sortiert oder kontrolliert, ob die Eingangstür auch verschlossen ist; oder wenn jemand an seinem Körper immer wieder bestimmte schädliche Verrichtungen ausüben muß, wie z.B. Haare reißen oder Fingernägel kauen: dann hat er oder sie einfach Angst.

Oder wenn jemand sich einfach nur “unwohl” fühlt, vielleicht schwindelig und undefinierte Schweißausbrüche bekommt – und nicht “weiß, was los ist” – auch dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er einfach unter einer Angststörung leidet. (weiterlesen…)

Das Märchen vom “Bruder Stress” und “Schwester Entspannung”

„Es war einmal ein junger Mann, der ging in die Welt hinaus, um große Abenteuer zu erleben. Er lechzte danach, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen – er wollte es allen zeigen und stolz auf sich sein! Da geschah es, dass er in eine wunderschöne Stadt kam, mit hohen Türmen und Zinnen. Auf denen waren Zeichen angebracht, wie „DB“ oder „BZ“. Da dachte der junge Mann sich: „Hier möchte ich bleiben und zeigen was ich kann!“ Gesagt, getan. Es dauerte nicht lange, und unser junger Held fand eine Anstellung bei einem bekannten Kaufmann, der ihn in die Geheimnisse der Handelskunst einführte. Der junge Mann machte sich prächtig und arbeitete hart. Er liebte seine Tätigkeit und hatte kaum Zeit für andere Dinge. Mit der Zeit jedoch änderte sich etwas in seinem Verhalten. Er wurde unruhig und wirkte etwas gehetzt. Auch konnte er des Nachts nicht mehr richtig schlafen. Eines Tages erwischte er sich dabei, dass er anfing zu klagen, und noch eine Weile später begann er sogar, den Tag zu verfluchen, an dem er in die goldene Stadt gekommen war.

Was war bloß geschehen? Ein alter Mann aus der Registratur, der den Jungen lieb gewonnen hatte, nahm sich seiner an. Er sagte zu ihm: „Mein Sohn, du arbeitest zu hart und du vernachlässigst all die anderen wichtigen Dinge im Leben. Aber das erste, was du brauchst, ist Entspannung! Geh, ich zeige dir jemanden, der dir weiterhelfen kann. Danach wirst du wieder fröhlich ins Geschäft kommen und deine Arbeit brav verrichten!“ (weiterlesen…)

Olympia in China, Tibet und der selbstgerechte Westen

Gestern Abend habe ich einen ARD-Bericht über Peking im Fernsehen gesehen. Mich hat bewegt, mit welcher Begeisterung sich offenbar viele Chinesen auf die Olympiade vorbereitet haben: durch Englisch lernen, Benimmkurse, Bürgerinitiativen, Stadtsäuberung u.v.m. Vor allem eine authentische Identifizierung mit den Spielen und eine selbst gewählte Bejahung kamen überzeugend rüber. Ich hatte nicht den Eindruck, dass dies alles nur ein Ergebnis von Gehirnwäsche, Propaganda und Manipulation gewesen sein soll. Diese Begeisterung ist offensichtlich im Zuge der Störungen des Fackellaufes umgeschlagen in Empörung und Enttäuschung: eine Reaktion auf die anhaltende und deutliche Kritik an den Menschenrechtsbedingungen im Land und an der Tibet-Politik der Kommunistischen Partei Chinas.

Nun ist nicht daran zu deuteln, dass es diese Menschenrechtsverletzungen gibt; auch nicht daran, dass Tibet und seine Menschen unterdrückt und politisch verfolgt werden. Die Frage, die hier aufgeworfen wird, ist vielmehr eine nach der Verhältnismäßigkeit. China ist ein Volk mit über einer Milliarde Einwohnern mit einer über 5000-jährigen Kulturgeschichte. Seit Mao hat es unglaubliche Umwälzungen gegeben, die in einer Öffnung gen Westen und einem langsamen Übergang zu einem sozialistischen Kapitalismus gipfelten. Wer sich das heutige Peking anschaut, kann den Stolz der Chinesen auf ihre Errungenschaften und ihre Entwicklung der letzten Jahrzehnte nachvollziehen. Auch wenn es dabei viele Verlierer in der Bevölkerung gegeben hat, so muss die Frage gestellt werden dürfen, ob nicht die Anzahl der Gewinner weitaus höher eingestuft werden kann. (weiterlesen…)

Der psychologische Gedanke II: Revolte und Gesundheit

Gegenwärtig findet eine Auseinandersetzung mit den 70er Jahren statt, zu sehen u.a. in einer Sendefolge auf ARTE-Fernsehen. Die 70er Jahre stehen für Jugendrevolte, Studentenprotest, dann Baader-Meinhoff, dem nun beginnendem und später kläglich scheiterndem Terrorismus. Danach kamen Punk und andere Formen des Protests mit „Tod dem Spießer!“. Die Flower-Power-Bewegung der Hippies ging anfangs auf Reisen – im doppelten Sinne nach Außen (Ibiza, Afghanistan, später Goa) und nach Innen (Marihuana und Peyotl, später LSD).

Könnte man sagen, dass es etwas Gemeinsames in all diesen Bewegungen gegeben hat? Natürlich ist es einfach zu konstatieren, dass alle die „Gesellschaft verändern“ wollten. Aber das ist doch eine recht oberflächliche Aussage. Ich glaube doch, dass das Hauptmotiv in erster Linie nicht unbedingt ein politisches, sondern ein jeweils persönliches gewesen ist: der Frust zu Hause bei den Eltern oder in der Schule, der Hass auf den Chef am Arbeitsplatz (Ton, Steine, Scherben!) – aber vor allem: das Bewusstsein, dass „mehr drin“ sein könnte, mehr LEBEN. Alle Beteiligten, ob Hippie oder Terrorist vereinte der Wunsch nach mehr Lebendigkeit und Lebensfreude – auch wenn der letztere dazu vorher die ganze Gesellschaft umkrempeln wollte. Insofern könnte man auch sagen: nach mehr „Gesundheit“. Denn ohne Zweifel ist die Gesundheit eines Menschen in erster Linie abhängig von seinen Umgebungsbedingungen und seiner Lebensweise. Und die Umgebungsbedingungen waren krank-machend. (weiterlesen…)

Bsirske und die Gier

Ich habe diese Zeitung abboniert, das wird dem geneigten Leser inzwischen klar geworden sein. Mal wieder im Tagespiegel, Berlin, lese ich heute einen Beitrag zum Fehlverhalten des Verdi-Vorsitzenden Bsirske, der mit Lufthansa angeblich kostenlos Erster Klasse in die Südsee geflogen ist, während seine Schützlinge für höhere Löhne streikten. Zitat: “Der Fall Bsirske bestätigt, was Forscher wissen: Der Mensch ist gefangen im Verlangen. Jeder möchte etwas Besseres sein als sein Nachbar.” (weiterlesen…)

beratung-therapie.de wird beraten durch den Dipl.-Psych. Volker Drewes

Produktion Webseite: bytepark GmbH | Design | IT und Webentwicklung | E-Business-Consulting